Entsetzen über Moria – Briefe an Abgeordnete

Wir haben hunderte Masken für die Flüchtlinge im Lager Moria genäht und kostenlos hingeschickt. Wir haben fassungslos die Berichte und Bilder von den Zuständen in dem Lager gesehen. Seit Jahren. Jetzt ist unser Entsetzen nicht zu beschreiben: Moria ist abgebrannt, und die Menschen dort sind obdachlos.

Deshalb haben wir am Donnerstag (10.09.) Briefe an die Abgeordneten im Bundestag, Landtag und Europaparlament in unserer Region geschickt. An Gabriele Katzmarek (SPD), Kai Whittaker (CDU), Jonas Weber (SPD), Alexander Becker (CDU), Tobias Wald (CDU), Thomas Hentschel (Die Grünen) und Daniel Caspary (CDU). Hier im Wortlaut. Bekommen wir Antwort? Werden wir gehört? Werden die Abgeordneten aktiv? Entscheidet die Politik zügig im Sinne der Geflüchteten? Außerdem unterstützen wir den Vorstoß der Grünen im Rastatter Gemeinderat, Geflüchtete aus dem Lager in Moria in Rastatt aufzunehmen.

Sehr geehrte(r) …

im Namen des Vereins appelliere ich zusammen mit meinem Vorstandskollegen Marcus Reuter, eine rasche Lösung für die Menschen im abgebrannten Flüchtlingslager in Moria zu finden. Seit Jahren beobachten wir die unwürdige Lage auf der griechischen Insel, auch im direkten Kontakt mit Helfern sowie Organisationen vor Ort.

Verzweifelt bitten uns Geflüchtete, die in der Region untergekommen sind, immer wieder um Hilfe für Familienmitglieder. Wir haben vom Verein hunderte Nasen-Mund-Schutze kostenlos genäht und nach Moria geschickt. Wohlwissend wie katastrophal die Hygienebedingungen dort sind. Die Würde des Menschen darf nicht an unserer Grenze enden, wenn unsere Verantwortung viel weiter reicht! 

Wir sind entsetzt, dass alle Aktionen, Bitten und Appelle verpuffen. Wenn die EU – Trägerin des Friedensnobelpreises! – nicht zu einer gemeinsamen Lösung in der Lage ist, muss Deutschland vorausschreitend sein humanitäres Gesicht zeigen. 

Wir Ehrenamtlichen sind am Rande unserer Kräfte. Nicht nur, dass wir keine Verbesserungen im Wust der bürokratischen Auflagen und Vorgaben sehen, sondern wir müssen mit der Trauer und Wut der Geflüchteten umgehen, denen das Schicksal der Menschen in Moria sehr nahe geht. 

„Wir schaffen das“ – bitte setzen Sie sich entschieden dafür ein, dass wir JETZT Menschen aus Moria aufnehmen. Und bitte kommen Sie nicht mit dem Argument, das brauche Zeit. Diese Zeit war lange vorhanden, dieses Drama war lange vorhersehbar und diese Zeit haben die Betroffenen nicht. Politik muss gestalten und bewegen, nicht organisierter Stillstand wegen fauler Kompromisse sein!

Wir schaffen das JETZT!

Mit traurigen, aber immer noch hoffnungsvollen Grüßen!

Ute Kretschmer-Risché
1. Vorsitzende

Mit Zusatz für die SPD-Abgeordneten:

Und bitte schreiben Sie uns nicht, dass man ja helfen wolle, aber sich der Koalitionspartner verweigere; wir sind diese Aussagen so leid. Als Abgeordnete der SPD bitten wir Sie, sich für die Ideale und Werte Ihrer Partei einzusetzen.

Mit Zusatz für die CDU-Abgeordneten:

Als Abgeordneter der CDU bitten wir Sie, sich für die Ideale und Werte Ihrer Partei einzusetzen und das Christliche im Namen Ihrer Partei würdig zu vertreten.

Mit Zusatz für den Grünen-Abgeordneten:

Als Abgeordneter der Grünen, der größten Koalitionspartei in unserem Landtag, bitten wir Sie, sich für die Ideale und Werte Ihrer Partei in unserem Land, auf Bundes- und Europaebene einzusetzen.

Mit Zusatz für den Europaabgeordneten:

Als Abgeordneter der CDU bitten wir Sie, sich für die Ideale und Werte Ihrer Partei einzusetzen und das Christliche im Namen Ihrer Partei würdig zu vertreten. Auch damit die EU endlich wieder ein würdiger Träger des Friedensnobelpreises ist!