Willkommen im Bürokratieland

Wie gehe ich mit Amtsbriefen um? Wer hier lebt, muss Formulare ausfüllen, Amtsbriefe beantworten und sich in den Zuständigkeiten der verschiedenen Behörden zurecht finden. Für Flüchtlinge in Rastatt wurde zum besseren Verständnis ein Workshop angeboten.

Hier unsere Pressemitteilung:

Wir begleiten Menschen aus verschiedenen Ländern bei ihrem Weg durch die Amtsstuben. Was muss wo gemeldet oder beantragt werden? Was ist eine Frist? Welche Papiere sind wichtig? Was bedeuten „Rechtsfolgen“ oder „Rechtsnachteile“? Was ist gemeint, wenn man in einem Brief zur „Einbestellung“ aufgefordert wird. Zusammen mit Integrationsmanager Marvin Küllsen, zuständig für Geflüchtete in Rastatt, informierte Vereinsvorsitzende Ute Kretschmer-Risché, wie Post zu bewerten ist, welche Briefe beantwortet und aufbewahrt werden müssen oder an wen man sich hifesuchend wenden kann. 

Wir haben jedem der rund 30 Teilnehmer einen Ordner, einen Locher und Trennstreifen als Basis für das Ordnungssystem geschenkt. Küllsen führte aus, wie wichtig es ist, jeden Brief zu öffnen und inhaltlich sowie systematisch einordnen zu können. Wer Hilft braucht, kann sich an die Integrationsmanager im Landratsamt Rastatt wenden. Mit Hilfe zur Selbsthilfe gehen Ehrenamtliche des Vereins wöchentlich zu den Hilfesuchenden. Das Erstseminar fand im neuen Heim in der Weiherstraße in Niederbühl statt. Folgetermine zur Einordnung von Post gab es bereits zu weiteren Terminen und auch im Heim in der Kehler Straße. 

„Amtsdeutsch ist für die meisten Einheimischen schon schwer verständlich. Erst recht, wenn man Anfänger in der deutschen Sprache ist“, fasst Ute Kretschmer-Risché zusammen: „Ich muss auch viele Briefe mehrmals lesen und kann nachvollziehen, wenn man an der komplizierten Sprache verzweifelt.“ Dabei sei es natürlich wichtig, angemessen zu reagieren, gerade um Fristen einzuhalten. Viele Schreiben würden zeigen, dass „wir in einem überregulierten Land leben“. Auch viel Kleingedrucktes bis hin zu seitenweise verschickten Infos zum Datenschutz würden eher verwirren als weiterhelfen.

Schließlich wissen auch Küllsen und Kretschmer-Risché, dass selbst die wenigsten Deutschen alles lesen, was sie zugeschickt bekommen und unterschreiben müssen. Das führe immer wieder dazu, dass überteuerte oder unnötige Verträge im Einzelhandel abgeschlossen würden. „Wir müssen oft mit Anbietern telefonieren und Kündigungen aussprechen“, so die Vereinsvorsitzende. Gerade das Verständnis von komplizierten Texten sei ein wichtiger Baustein in der Integration. Allerdings müsste auch Sprache entrümpelt werden, so eine Forderung des Vereins Junge Flüchtlinge Rastatt. Das sei auch immer wieder Thema beim Runden Tisch zusammen mit Vertretern von Stadt und Landkreis. So würde ständig angemahnt, dass Briefe der Behörden verständlicher in „Leichter Sprache“ formuliert werden müssten.